gedanken zum begräbnis des + alois morgenbesser


 

Gedanken zum Begräbnis des + Alois Morgenbesser – Fe 21.08.2012

„Ich weiß vieles, was ihr nicht wisst, aber es bleibt mein Geheimnis.“, das waren Worte, ein Satz, den er bei meiner letzten Begegnung mit ihm – vor einiger Zeit – zu mir sagte. Diese Worte haben sich in mir eingeprägt. „….Es bleibt mein Geheimnis“.

Jeder von uns hat seine Geheimnisse. Was und wie viel wissen wir schon von anderen, von den Menschen neben oder mit uns? Wie viel wissen Sie vom Menschen, der oder die gerade neben Ihnen sitzt? Wie viel wissen wir vom + Morgenbesser Luis, wie er genannt wurde. Er nimmt viele seiner Geheimnisse mit ins Grab. Vieles bleibt ein Rätsel, dessen Lösung wir erst nach unserem eigenen Tod erfahren werden.

Wir sind einander in diesem Leben alle nur eine Leihgabe: die Kinder den Eltern, die Ehepartner, Freunde usw. Niemand ist dem anderen ein Besitz. Du, Fr. Franziska Morgenbesser, die Mutter des Luis, hast die Leihgabe Luis zum ersten Mal am 9.8.1959, bei der Geburt, hergeben müssen. Es waren schmerzvolle Stunden. Heute, beim Begräbnis, bzw. am Freitag, bei seinem Sterben, hast du, wie auch seine Tochter Franziska, seine Lebensgefährtin Vroni, seine Geschwister, Verwandten und Freunde, ihn wieder hergeben müssen. Es sind wiederum schmerzvolle Stunden.

Und die Zeit dazwischen, zwischen dem 9.8.1959 und dem 17.8.2012, seine Lebenszeit, war ausgefüllt mit Höhen und Tiefen, mit Erfolgen und Niederlagen, mit Gelingen und Scheitern, mit Freuden und Leiden, sowie Krankheiten.

Luis, du hast Spuren durch das Leben und die Welt gezogen und Spuren hinterlassen. Begonnen hat dein Lebensweg am Sonntag, 9. August 1959 um 14:55 Uhr in Festenburg 7. Vater: Franz Morgenbesser. Mutter: Franziska Morgenbesser, geb. Wiedner.

Hebame: Gruber Theresia aus Vorau. Getauft wurdest du am 23. August 1959 von Dr. Patriz Gruber. Taufpate: Leo Prettenhofer.

Besuch der VS Festenburg und der HS Waldbach. Danach Koch/Kellner Lehre in Schwarzau im Gasthof Schwarz. Danach einige Zeit von Hamburg aus auf einem Schiff. Anschließend Wirt in der sog. Holzknechtbar, auf der Mönichwalder Schwaig und danach 13 Jahre Wirt auf dem Wetterkoglerhaus.

19.367 Tage hast du hier auf dieser Erde gelebt. Du hast Spuren gezogen und Spuren hinterlassen, viele Spuren, die die Erinnerung an dich in uns wach halten. Unzählige Menschen sind es, denen du als Wirt begegnet bist und die dir begegnet sind. Wie viele Menschen sind es, die du mit Essen und Getränken versorgt hast, aber vor allem auch, mit denen du geredet hast, deren Probleme und Schicksale du gehört und angehört hast. Wie oft musstest du Geschichten einsamer Zecher anhören, vielleicht zum x-ten Male und in der Früh wieder im Einsatz sein.

Bis du dir am Freitag, 17. August 2012 sagtest. Es reicht. Ich hab schon genug getragen und ertragen. Ich hab das Leben in seiner Fülle, mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Ich gehe.

Zu dir passt gut das Wort des hl. Augustinus, dessen Fest am 28. August gefeiert wird, nämlich: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir o Gott“. Und ebenso ein anderes Wort des hl. Augustinus: „Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoffnung, Gedenken unsere Liebe!“

Luis, du hast an Gott geglaubt. Du hast gehofft, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern dass es ein Wiedersehn mit allen, die uns lieb und wertvoll sind, gibt. Dein Vater wird dir entgegengegangen sein und dich begrüßt haben: Luis komm her, das Platzerl für dich ist schon gerichtet. Und Gedenken unsere Liebe. Zum Gedenken an geliebte Menschen betrachten wir immer wieder Bilder von diesem Menschen. Wir entzünden Kerzen, wir bringen Blumen und sprechen Gebete. Wer liebt, der vergisst den anderen nicht. Er sucht ihn in seinen Gedanken, er bewahrt ihn in der Erinnerung. Die Erinnerung ist ein Fenster
durch das ich Dich sehen kann, wann immer ich will“, hat es einmal wer formuliert.

Auch der Gottesdienst ist eine Erinnerung. Beim letzten Abendmahl trug Jesus den Jüngern auf: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ – Und so wollen wir dich, lieber Luis, der du uns vorausgegangen bist, im Gedächtnis behalten.



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